So gelingt der Aufstieg auch ohne Studium – Karriere mit Lehre

Wer Karriere machen oder mehr Geld verdienen möchte, braucht kein Studium: Aufstiegsfortbildungen der Kammern ermöglichen es ausgebildeten Fachkräften, mit Akademikern gleichzuziehen.

Die Kombination von Ausbildung mit Fortbildung führt, in einer großen Zahl von Berufen, nach wenigen Jahren zu einem vergleichbaren Gehalt wie in akademischen Berufen. Die These, dass nur ein Studium zu Karriere und „gutem Geld“ führt, ist also ein Märchen.

Voraussetzung ist, neben einer abgeschlossenen Berufsausbildung und einigen Jahren Berufspraxis, beispielsweise eine der zahlreichen Aufstiegsfortbildungen, die die Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern zwischen Flensburg und München bieten.

Die richtige Wahl für Praktiker: Aufstiegsfortbildungen der Kammern

Die „Karriere mit Lehre“ empfiehlt sich aber auch aus anderem Grund: Wer die Theorie der Hörsäle und Hochschule meiden und lieber praktisch lernen und (früher!) praktisch arbeiten will, ist mit diesem Karriereweg ebenfalls besser beraten. Und weil Kandidaten, die diesen Weg gehen, schneller als ihre studierenden Altersgenossen Werkstätten, Büros oder Geschäfte von innen sehen, verdienen sie natürlich auch viel eher Geld.

Drei Stufen: Kammer-Aufstiegsfortbildungen

Neben dem Wunsch nach Karriere können auch veränderte berufliche Anforderungen den Ausschlag für das Erklimmen der Aufstiegsfortbildungs-Pyramide werden: Diese führt, nach einer ersten Berufsausbildung und mindestens sechsmonatiger Berufspraxis, zuerst zur Ebene der „Geprüften Fachberater“ (m/w), etwa in Tätigkeitsschwerpunkten wie „Bau- und Heimwerkermärkte“ oder „Finanzdienstleistung“.

Auch die zweite und dritte Stufe schließen mit einer öffentlich-rechtlichen Prüfung ab. Gemäß „Deutschem Qualifikationsrahmen“ entspricht die nun folgende zweite Stufe der Pyramide dem Niveau eines Bachelor-Abschlusses. Die Abschlüsse dieser Stufe heißen bspw. „Fachwirt“ (bspw. Bank- oder Handelsfachwirt), „Fachkauffrau“ (bspw. Fachkauffrau für Logistiksysteme), „Industriemeister“, „Geprüfte Aus- und Weiterbildungspädagogin“ sowie „Operative Professional“ (bspw. „Geprüfte IT-Entwicklerin“).

Die dritte Stufe der Aufstiegsfortbildungen entspricht, gemäß „Deutschem Qualifikationsrahmen“, dem Niveau eines Master-Abschlusses. Voraussetzung für die Anmeldung zur Prüfung ist, neben dem Abschluss der zweiten Stufe, wiederum weitere Berufspraxis.

Abschlüsse dieser höchsten Stufe der Kammer-Aufstiegsfortbildungen sind Geprüfte Betriebswirte, Geprüfte Berufspädagogen, Geprüfte Technische Betriebswirte und Strategische Professionals.

Einen Überblick über die diversen IHK-Aufstiegsfortbildungen liefert die Webseite WIS – Das Weiterbildungs-Informations-System. Klickt man dort auf die einzelnen Ergebnisse, wird man zu weiteren Detail-Infos geführt, etwa den formalen Voraussetzungen der einzelnen Weiterbildungen.

IT-Einkäufer mit Verständnis für Geschäftsprozesse: Kaufleute für Digitalisierungsmanagement

Kaufmann/-frau für Digitalisierungsmanagement ist der Nachfolgeberuf des Informatikkaufmanns: Diese Spezialisten durchleuchten u. a. Geschäftsprozesse, um herauszufinden, welche Hard- und Software ihr Unternehmen braucht, holen Angebote dafür ein und begleiten die Einrichtung.

Warenwirtschaftssysteme sind Softwareprogramme, die den Warenfluss innerhalb eines Unternehmens abbilden: Kommt eine Lieferung an, werden diese Produkte in ihnen erfasst. Wird ein Produkt verkauft, wird dies ebenfalls in der „Warenwirtschaft“ eingebucht.

Nun gilt bekanntlich im Leben wie auch in Unternehmen: Alles ist im Fluss. Vielleicht entscheidet sich unser Unternehmen eines Tages, seine Kundenpflege zu professionalisieren, weil Kontakte zu einzelnen Kunden oder Partnern bislang von den Mitarbeitern (m/w) händisch in einer Excel-Liste eingetragen wurden. Oder es möchte zusätzliche Absatzkanäle erschließen und dafür einen Online-Shop einrichten.

Seit August 2020: Kaufleute für Digitalisierungsmanagement statt Informatikkaufleute

Hier kommen Kaufleute für Digitalisierungsmanagement zum Einsatz: Diese Kaufleute hießen früher „Informatikkaufmann“ bzw. „-frau“. Seit dem 1. August 2020 ist dieser Ausbildungsberuf neu geordnet. Kaufleute für Digitalisierungsmanagement prüfen bspw., ob sich unser Beispiel-Warenwirtschaftssystem über Schnittstellen mit einem Customer-Relationship-Management-Programm oder einem Online-Shop verbinden lässt. Oder ob überhaupt ein Warenwirtschaftssystem eingeführt werden sollte, wenn noch keines existiert – und vor allem: welche genauen Funktionen dieses dann erfüllen sollte.

Analyse interner IT-Bedarfe und profunde Marktkenntnis

Dafür müssen sie zunächst einmal den internen Bedarf erheben, also die geschäftlichen Prozesse innerhalb „ihres“ Unternehmens erheben: „Welche Anforderungen muss unsere Software X (bspw. eben die Warenwirtschaft, eine CRM-Software, ein Content-Management-System oder auch ein Lernmanagement-System etc.) erfüllen, damit wir als wirtschaftlicher Akteur weiterhin erfolgreich auf unseren Märkten und für unsere Zielgruppen präsent zu sein?“

Neben der Analyse der Geschäftsprozesse setzt dies naturgemäß eine regelmäßig aufgefrischte Kenntnis des Markts voraus: „Welche Software und welche Hardware ist am Markt verfügbar, die uns hilft, unsere analysierten Bedarfe bzw. Herausforderungen zu lösen?“ Ihre diesbezügliche Marktkenntnis erlaubt es Kaufleuten für Digitalisierungsmanagement, die angebotene Soft- und Hardware im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit zu vergleichen, um das optimale Tool zu empfehlen.

Sind ihre Empfehlungen abgesegnet, holen sie entsprechende Angebote ein und bereiten Nutzungsverträge vor. Dann kaufen sie die benötigte Hard- oder Software, überwachen die Ausführung und beraten die Mitarbeiter (m/w) der Firma bei der Nutzung bspw. der neuen Software. Somit ist auch interner Support ein wichtiger Aufgabenschwerpunkt dieser Spezialisten – neben Controlling, IT-Sicherheit und Datenschutz. Auch dafür, dass die Cookies der Unternehmens-Homepage niemandem allzu sehr auf den Keks gehen, sind diese Kaufleute folglich zuständig.

Was macht ein Biophysiker?

Das Interdisziplinäre dieser Wissenschaft erschließt sich rasch aus ihrer Bezeichnung: „Biophysik“ hat, neben anderen Disziplinen wie der Mathematik, vor allem mit Biologie und Physik zu tun, setzt also ein Verständnis und Faible für Naturwissenschaften voraus. Kurz gesagt ist die Biophysik die Lehre, die sich mit der Anwendung von Gesetzen der Physik auf die Biologie befasst – und umgekehrt.

Biophysiker untersuchen bspw. die Prozesse innerhalb biologischer Systeme wie Zellen oder Organen mit Hilfe physikalischer Gesetzmäßigkeiten. Sie forschen auch an der Entwicklung medizintechnischer Geräte wie Mikroskopen – mit dem Ziel, diese so zu gestalten, dass sie für das Bearbeiten biologischer Forschungsfragen genutzt werden können. Somit arbeiten Biophysiker unter anderem auch in Firmen der Medizintechnik.

Biophysikalische Anwendungsbeispiele: EEG, EKG und MRT

EEG und EKG – zwei Stichworte aus dem Spektrum medizinischer Untersuchungsmethoden, die viele aufgrund eigener Arztbesuche kennen dürften, stehen beispielhaft für eines der Arbeitsgebiete von Biophysikerinnen und Biophysikern: die Elektrophysiologie. In diesem Bereich untersuchen die Spezialisten, wie Muskel- oder Nervenzellen durch Elektrizität erregt werden bzw. elektrische Impulse übertragen.

In der Strahlenphysik, einem weiteren beispielhaften Arbeitsschwerpunkt, befassen sich Biophysiker mit der Wirkung elektromagnetischer oder radioaktiver Strahlung auf Zellen oder Gewebe. Außerdem forschen sie dazu, wie sich solche Strahlung für die medizinische Behandlung nutzen lässt.

Magnetresonanztomographie – dieses Wortungetüm, das für ein bildgebendes Verfahren steht, kennen viele aus persönlicher Krankengeschichte: In der MRT-„Röhre“ werden beispielsweise Bandscheibenvorfälle sichtbar. Zugleich ist die Spektroskopie, die sich mit Methoden wie eben MRT und der zugehörigen Medizintechnik befasst, eine weitere Teildisziplin der Biophysik – die ein weiteres Mal die beiden Schwerpunkt-Wissenschaften der Biophysik illustriert: „Magnetismus“ bzw. das im MRT erzeugte Magnetfeld (als Gesetzmäßigkeit der Physik) wird genutzt, um „Biologie“ (bspw. Zustände des Bewegungsapparats des Menschen) bildlich sichtbar zu machen.

Was macht ein Bioniker?

Wären Schwimmflossen nicht schon erfunden, würde sie vielleicht ein*e Bioniker*in im Labor ersinnen: Bionikerinnen und Bioniker entwickeln technische Lösungen auf Grundlage von Erscheinungen bzw. Analysen der Tier- und Pflanzenwelt. Ein klassisches Beispiel ist der Lotuseffekt: Die Blätter der Lotuspflanze weisen bekanntlich Wasser ab. Bioniker entwickeln Beschichtungen etwa für Schiffe, die die gleiche Eigenschaft besitzen.

Ein weiteres bionisches Anwendungsbeispiel: Haifische bewegen sich durch die widerstandsarme Struktur ihrer Haut-Oberfläche und ihre Stromlinienform besonders effizient durch Wasser. Die Luftfahrt macht sich diese „biologische Problemlösung“ zunutze, indem sie die Oberfläche von Flugzeugen mit wirkungsgleichen Eigenschaften versieht.

Lösungen aus der Natur für technische Herausforderungen

Ob besonders belastbare Spinnenseide oder eben Fischhaut: Bionikerinnen und Bioniker suchen gezielt nach biologischen Vorbildern, die als Lösungen für technische Herausforderungen taugen.

Verständnis für Naturwissenschaften, Mathematik, Informatik und Technik sind die besten Voraussetzungen, um ein Bionik-Studium erfolgreich zu durchlaufen.

Was macht ein Technischer Kybernetiker?

Im Fokus: Regelung und Steuerung technischer Systeme

Regelung und Steuerung komplexer technischer Systeme – dies ist, kurz formuliert, das Anliegen bzw. Ziel der Technischen Kybernetik. Sie ist eine interdisziplinäre Ingenieurswissenschaft, die sich an der Schnittstelle von Mathematik, Ingenieurwissenschaft, Systemwissenschaft und Naturwissenschaft bewegt. Dabei simulieren Technische Kybernetikerinnen und Kybernetiker bspw. technische Vorgänge bzw. Prozesse, um deren steuernden Ablauf zu gestalten oder zu optimieren.

Typische Anwendungsgebiete sind etwa Systeme, die autonome oder teilautonome Fortbewegung erlauben. Dazu zählen unter anderem Autopiloten oder Fahrassistenzsysteme, die selbstständig bremsen können.

Alltagsbeispiel: Heizkörperthermostat

Ein Beispiel für ein solches technisch-kybernetisches System kennen wir alle aus unserem Alltag: Heizkörperthermostate. Wer den drehbaren „Regler“, also den Thermostatkopf, bspw. von „0“ auf Stufe „3“ von 5 stellt, wird bemerkt haben, dass die Heizung dennoch nicht immer im gleichen Maße heiß wird. Das liegt eben daran, dass Heizkörperthermostate systemisch – kybernetisch – funktionieren: Sie besitzen einen Fühler, der die gewünschte Temperatur (Soll-Wert) mit der momentanen Raumtemperatur (Ist-Wert) vergleicht. Je nachdem, ob es im Raum kälter oder wärmer als die gewünschte Soll-Temperatur ist, schließt oder öffnet sich ein Ventil. Dadurch wiederum strömt entweder mehr Heizwasser durch den Heizkörper (= Heizung wird wärmer = Raum heizt auf) oder weniger.

Studium „Technische Kybernetik“

Technische Kybernetik kann man bspw. an der Universität Stuttgart und an der Technischen Universität Ilmenau studieren.

Was macht ein CSR-Manager?

Sie arbeiten für eine lebenswerte Zukunft, die ihren Arbeitgebern zugleich Umsatz und Mitarbeiter-Identifikation bringt: CSR-Manager*innen helfen, nachhaltige Produkte zu entwickeln, entsprechende Marktbedarfe aufzuspüren, Investitionen klima- oder Geschäftsentscheidungen Ressourcen schonend zu gestalten. Ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit sind die Ziele der Corporate Social Responsibility.

„Corporate Social Responsibility“ – meist mit „CSR” abgekürzt – ist ein absolutes Thema der Zeit: medial und gesellschaftlich vielleicht ähnlich aktuell wie Klimawandel und Fridays für Future und passend dazu auch mit Bezug zur klimabewegten Generation. Zwei weitere Beispiele: Das aktuell heiß diskutierte Zulieferkettengesetz – es soll verhindern, dass bspw. in Smartphones Rohstoffe verarbeitet werden, die im Kongo durch Kinderarbeit gefördert wurden. Oder: Globale Investoren-Initiativen wie Climate Action 100+, die nachdrücklich mehr Umweltengagement von Unternehmen fordern, an denen sie beteiligt sind. All dies zeigt: Unternehmen tragen nicht nur Verantwortung für ökologische und soziale Standards ihrer Produkte und Dienste – sie werden von einer zunehmend kritischen Öffentlichkeit auch daran erinnert.

Auch deshalb haben viele Unternehmen die Funktion von CSR-Manager*innen geschaffen – jenen Expert*innen also, die sich um die Wahrung genau solcher Standards im Rahmen der unternehmerischen Geschäftsstrategie und Produktentwicklung kümmern. „Gutes tun – und damit Geld verdienen“: So lässt sich das Leitmotiv der Corporate Social Responsibilty (CSR) zusammenfassen.

Wie wird man CSR-Manager?

Mittlerweile gibt es sogar IHK-Zertifikatslehrgänge, die auf dieses moderne und komplexe Berufsbild vorbereiten. Hier lernt man, wie man Nachhaltigkeit zum Beruf macht, etwa im Hinblick auf die Gestaltung von Managementprozessen und angelehnt an internationale CSR-Standards. Wer Berufserfahrung in passenden Bereichen wie Marketing, Qualitäts- oder Umweltmanagement, Personal/Human Resources oder Supply Chain Management hat, kann sich über solche Fortbildungen fürs CSR-Management qualifizieren.

Natürlich kann es auch vom Kerngeschäft des jeweiligen Arbeitgebers abhängen, welcher Ausbildungshintergrund für die CSR gefragt ist: Bei einer großen Handelskette bspw. definiert sich „Nachhaltigkeit“ bzw. „sozial-ökologische Verantwortung“ naturgemäß stark über die Frage, wie sich Verpackungsmittel Ressourcen schonend einsetzen lassen, wie weit sie bspw. recycelbar sind. Da macht eine vorausgehende technische Berufserfahrung Sinn, wie das Fallbeispiel der CSR-Managerin von dm zeigt.

Aufgaben: Das macht ein CSR-Manager

Neben dem Ansatz, wie sich Produktverpackungen umweltschonender gestalten lassen, sind andere typische Ausgangsfragen im CSR-Alltag etwa, wie sich mittels Marketing Verbraucherbedarfe nach nachhaltigen Produkten oder Diensten herausfinden lassen. Oder eben, Stichwort Lieferketten, wie Zulieferer vom – nicht nur ideellen! – Wert einer gesellschaftlich verantwortungsbewussten Produktion überzeugt werden können. Oder, siehe die eingangs genannte Investoren-Klima-Initiative, wie durch – eventuelle ganz neu ausgerichtete – Investitionsentscheidungen etwas Gutes für die Natur und damit auch für den sozialen Frieden und die Entwicklung von Gesellschaften getan werden kann; etwas Gutes, das den Unternehmen in vielfacher Weise auch selbst nutzt – nicht zuletzt bei der Mitarbeiterfindung und -bindung: Viele High Potentials schauen mittlerweile genau darauf, wie sich ihre potenziellen Arbeitgeber in Sachen CSR engagieren – das CSR-Management als handfester Vorteil in Sachen Employer Branding!

Was macht eigentlich eine Umweltpädagogin?

Biologie-Unterricht, der Spaß macht: Umweltpädagogen bringen Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen Natur und Ökologie praktisch und handlungsorientiert nahe. Wald, Wasser, Ernährung und Umweltschutz sind typische Themen, die sie, etwa über Kindergeburtstage, Ferienfreizeiten oder Exkursionen, vermitteln. Feste Stellen für diese Experten jedoch sind dünn gesät.

Sie organisieren und betreuen Waldrallyes, wissenschaftliche Führungen zu Tierarten, begleiten Wanderungen, Exkursionen oder Familientage ins Grüne und setzen praktische Naturschutzmaßnahmen wie den Bau von Nisthilfen oder Pflanzungen um: Umweltpädagoginnen und Umweltpädagogen bringen ihrer jeweiligen Zielgruppe – etwa Schulklassen, Erwachsenen oder Kindergruppen, für die sie auch Geburtstage oder Event mit Grün-Bezug ausrichten – Umwelt bzw. ökologische Themen pädagogisch näher. Sie vermitteln also Wissen rund um ökologische Nachhaltigkeit und dies oft auf spielerische, handlungsorientierte Art und Weise. Biologie live, sozusagen.

Wege zum Beruf: Umweltpädagogik

Für die spannenden, oft jedoch auf Honorarbasis angebotenen Stellen an der Schnittstelle von Natur und Pädagogik qualifizieren einerseits Bachelor- und Masterangebote einiger Hochschulen. Diese allerdings sind im deutschsprachigen Raum dünn gesät: etwa der Bachelor of Arts „Umweltbildung“ der Pädagogische Hochschule Weingarten oder das Bachelor- und Masterstudium „Umweltpädagogik“ an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien. Auch der Master-Studiengang „Umweltethik“ der Universität Augsburg enthält – neben anderen – Schwerpunkte wie Umweltpädagogik, Umweltökonomie, Umweltrecht und Umweltethik; darüber hinaus aber auch Theologie und Philosophie.

Betrachtet man einschlägige Stellenanzeigen für Umweltpädagogen, wird der zweite am Markt akzeptierte Zugangsweg rasch ersichtlich: Absolventen von Studiengängen wie Ökologie, Umweltwissenschaften, Fortwissenschaften, Biologie oder Geografie (je nach ausschreibendem Arbeitgeber auch im Lehramt) sind ebenfalls gern gesehen, insbesondere mit pädagogischer Zusatzqualifikation, die gern wald-, natur- oder erlebnispädagogischer Art sein darf.

In allen Varianten ist naturgemäß soziale Kompetenz ein geschätzter Zusatz, insbesondere im Hinblick auf die jeweilige Zielgruppe, also etwa Praxiserfahrung in der Kinder- und Jugendlichenarbeit. Leidenschaft für Natur und Naturvermittlung sollte selbstverständlich sein.

Unsichere Beschäftigungsverhältnisse

Wer sich für das in der Sache gewiss vielseitige Berufsbild interessiert, sollte aber berücksichtigen, dass feste Stellen, gerade in Vollzeit, für Umweltpädagogen eher selten sind. Viele Arbeitgeber, zu denen bspw. Feriendörfer, Natur- oder Wildparkzentren oder Biologische Stationen zählen, suchen umweltpädagogische Mitarbeiter nur auf freiberuflicher Basis, sprich: auf Honorar.

Was macht eigentlich ein Geoinformatiker?

Geo-Informatiker sammeln geo- bzw. raumbezogene Daten, entwickeln informationstechnische Systeme für deren Verarbeitung und präsentieren sie anschaulich. Neben Begabung für Technik, Mathe und Geografie brauchen diese Spezialisten gutes räumliches Vorstellungsvermögen.

Geo-Informatiker sind die Geografen bzw. Raum-Vermesser unter den Informatikern: Sie sammeln geo- bzw. raumbezogene Daten, entwickeln informationstechnische Systeme für deren Verarbeitung und präsentieren sie anschaulich für den Nutzer – etwa in Form interaktiver Stadtpläne oder Landkarten oder 3-D-Modellen. Begabung für Technik, Mathematik, Geografie und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen sind gute Voraussetzungen für Geoinformatiker.

Navigationssoftware für behinderte Menschen: Verkehrshindernisse erkennen

Ich lernte Karsten W. als Berufsberater in Berlin kennen. Bereits sein Diplom als Ingenieur für Kartographie und Geomatik an der Fachhochschule Karlsruhe führte meinen damaligen Beratungskunden zu einer anspruchsvoll-herausfordernden Geoinformatik-Aufgabe, die zugleich sozialen bzw. gesellschaftlichen Sinn stiftete: Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekts „WikiNavi“ arbeitete er an der Entwicklung einer Navigationssoftware für mobile Endgeräte wie Smartphones mit. Die Software war für geh- und sehbehinderte Menschen gedacht. Diesen zeigte sie, wo in der Stadt Verkehrsampeln kaputt waren oder Bordsteine zu hoch, also nicht barrierefrei waren. Die App war interaktiv: Nutzer konnten im öffentlichen Web eingeben, wo sie solche Hindernisse gesehen hatten.

In einer Stellenanzeige hätten sich die Aufgaben meines ehemaligen Coachees ungefähr so gelesen: Erstellen einer Geodatenstruktur, Einrichten und Warten von Geodaten-Datenbanken, Programmieren von Plugins, Erstellen von Weblösungen, Entwicklung von Verfahren zur Datenkontrolle und Backup-Strategien.

Aus Raum-Daten digitale Karten und Stadtpläne entwickeln

Das macht bereits deutlich: Ebenso wie Wirtschafts-, Bio- oder Medizin-Informatiker brauchen auch Geo-Informatiker Interesse an Technik, Datenstrukturen und Algorithmen; außerdem eine Begabung für Mathematik. Das Spezielle an Absolventen von Geoinformatik-Studiengängen liegt darin, dass diese geo-, das heißt raumbezogene Daten gewinnen, verarbeiten und anschaulich für den Nutzer präsentieren: etwa in Form von interaktiven Karten wie Stadtplänen oder von Geoinformationssystemen. Für die Gewinnung dieser Daten sind sie teils mit Drohnen im Freien unterwegs. Auch ein Interesse für Geografie und Geologie ist daher wichtige Voraussetzung.

Nach einigen Jahren Berufserfahrung setzte mein ehemaliger Beratungskunde auf sein Ingenieurs-Diplom noch einen Master of Science in „Geoinformation“ an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin drauf.

Auch in seiner Master-Thesis ging es um ein interaktives bzw. Mitmach-Programm: Hier entwickelte Herr W. das Konzept für ein webbasiertes Public Participation-GIS (= Geo-Informations-System) für die E-Bike-Standortplanung. Nutzer konnten in der internetgestützten Anwendung Vorschläge machen, wo Standorte für E-Fahrrad-Stationen sinnvoll wären.

Lesen Sie auch: Daten-Goldgräber als Business-Strategen: Was macht ein Data Scientist?

Chance für Geringqualifizierte – modulare Teilqualifizierungen: Wie Helfer Fachkräfte werden

Auch Helfer verschiedenster Gewerbe und Gewerke können, bspw. berufsbegleitend, einen Fachkraftabschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf erwerben: Modulare bzw. berufsanschlussfähige Teilqualifizierungen führen, Baustein für Baustein, zur Externenprüfung und zum begehrten Berufsabschluss.

Mancher Berufseinstieg verläuft, in qualifikationsbezogener Hinsicht, holprig: Viele scheuen bspw. die Dauer einer mit vergleichsweise geringer Vergütung verbundenen dualen Berufsausbildung und steigen direkt ein, als An- oder Ungelernte – als Helferinnen und Helfer der verschiedensten Gewerke: etwa als Bauhelfer, Lagerhelfer, Transporthelfer oder Küchenhelfer.

Doch das muss keine berufliche Sackgasse sein: Über so genannte berufsanschlussfähige bzw. modulare Teilqualifizierungen können auch Helfer den Weg zur Fachkraft mit anerkanntem Berufsabschluss noch gehen.

Diese Teilqualifizierungen (TQ) gibt es für eine zunehmende Zahl an Ausbildungsberufen – heute bspw. bereits für Fachkräfte für Schutz und Sicherheit, Berufskraftfahrer oder auch in der Lagerlogistik. Arbeitnehmer durchlaufen dabei Qualifizierungen, bspw. bei einem örtlichen Bildungszentrum eines Gewerks oder Gewerbes (bspw. Bildungszentrum des Baugewerbes), die jeweils zwischen zwei und sechs Monaten dauern und mit einem Zertifikat inklusive einer Fachkräftebezeichnung enden. So führt bspw. der Abschluss der 1. TQ im „Gesamt“-Beruf „Fachmann/-frau für Systemgastronomie“ zur zertifizierten Bezeichnung „Fachkraft für Küche und Buffet“.

Betriebliche Praxisphasen

Betriebliche Praxisphasen sind bei den einzelnen Modulen bzw. Bausteinen ebenfalls enthalten: Diese werden in Unternehmen absolviert und dauern nicht weniger als ein Viertel der Gesamtdauer einer Teilqualifikation. Betriebe haben ein ganz eigenes Interesse, dass ihre Helfer sich entsprechend fortbilden: Die Angestellten werden dadurch nicht nur qualifikationsbezogen „wertvoller“, gerade in Zeiten teils zunehmenden Fachkräftemangels – Stichwort Demografie. Erfahrungsgemäß motiviert das Sammeln der TQ-Zertifikate auch die betreffenden Arbeitnehmer – schließlich merken sie so, dass ihr Arbeitgeber in sie investiert. Außerdem lernen sie selbst hinzu. Das verbessert nicht nur die Gehaltsperspektive, sondern kann auch auf komplexere Aufgaben vorbereiten.

Arbeitgeber stellen ihre TQ-Teilnehmer teils frei, damit diese an den Schulungen teilnehmen können. Natürlich leisten sich dies eher größere Unternehmen. Andere führen die TQ-Qualifizierung berufsbegleitend durch. Manchmal geht dies auch über E-Learning.

Am Ende jedes TQ-Moduls bzw. -Bausteins durchlaufen die Arbeitnehmer eine individuelle Kompetenzfeststellung vor einer Prüfungskommission. Bestehen sie diese, erhalten sie ein Zertifikat und können an weiteren Bausteinen teilnehmen.

Doppeltes Plus: Auch Einzel-Zertifikate haben Arbeitsmarktwert

Wer alle Bausteine erfolgreich absolviert hat, kann sich, auf dem Wege der so genannten „Externenprüfung“, bei der jeweils zuständigen Kammer für die Abschlussprüfung anmelden – und den anerkannten Berufsabschluss nebst Fachkraft-Berufsbezeichnung erwerben. Jeder Ausbildungsberufsabschluss, der sich über TQ-Module erreichen lässt, ist in fünf bis acht Bausteine aufgeteilt.

Aber auch die einzelnen Zertifikate, die das Durchlaufen eines der TQ-Bausteine dokumentieren, sind ein wertvoller Teil der Bewerbungsmappe ihrer Inhaber: Da die Lehrpläne der Module bundesweit einheitlich und zudem entlang unternehmerischer Arbeitsprozesse und typischer Aufgaben definiert sind, stellen sie anerkannte, standardisierte Qualifikationsmerkmale dar und dies ebenso bundesweit. Das unterscheidet sie von vielen Bildungszertifikaten örtlicher Bildungsdienstleister, die in den betrieblichen Personalabteilungen eher unbekannt und somit überregional nur eingeschränkt verwertbar sind.

Und auch nach Erwerb des Ausbildungsabschlusses über die „Externenprüfung“ können sich Bildungsinteressierte weiter qualifizieren: Die Aufstiegsfortbildungen der Kammern erlauben es ausgebildeten Fachkräften mit Berufserfahrung, sich bspw. über Fachwirt-, Fachkauffrau- oder Betriebswirt-Fortbildungen bis auf Bachelor- und Master-Niveau weiter zu qualifizieren.

Beispiel-Modul: Berufskraftfahrer

Die – beispielhafte – erste Teilqualifikation („TQ 1“) in der Ausbildung zum „Berufskraftfahrer“ (m/w) umfasst die – jeweils nochmals unterteilten – Teilprozesse: Be- und Entladung inkl. Ladungssicherung, Abfahrtskontrolle des LKW, Güterbeförderung im Straßenverkehr, Ablieferung und Übergabe des Transportguts sowie Identifizierung und Behebung von Fahrstörungen und Mängeln im Güterverkehr.

Weitere Informationen: modulare bzw. berufsanschlussfähige Teilqualifizierungen.

Was macht eigentlich ein Agile Coach?

„Stell dir einen Beduinen in der Wüste vor. Er nutzt ein Pferd. Wozu nutzt er es? Er transportiert bestimmte Waren. Wäre ein Kamel besser geeignet? Oder: Wir wollen von A nach B über einen Fluss. Wie geht das am besten? Mit einem Schiff? Oder wäre nicht fliegen die bessere Lösung? Vielleicht lieber ein Flugtaxi-Service als eine Brücke? Lässt sich ein passendes Verkehrsmittel mit dem Thema E-Mobilität verbinden?“

Mit diesen Beispielen beantwortete mir eine Bekannte, die als agile Coach arbeitet, einmal meine berufsberaterische Neugier nach dem „Konkreten“ im relativ abstrakt-diffusen Begriff des agilen Coachings. Die beiden Frage-Komplexe oben zeigen: Es geht im agilen Coaching darum, eine Vision zu formulieren (bspw. Transport von A nach B, der zukünftig schneller oder effizienter oder umweltfreundlicher sein soll) und diesen wünschenswerten Ziel-Zustand (respektive das entspr. Produkt/die entspr. Dienstleistung) dann möglichst open-minded, ohne geistige Scheuklappen, umzusetzen.

Anpassen, testen und Lernen aus dem Prozess statt Kontrolle und Plan

Damit die innovative Produkt- oder Service-Entwicklung das Gewünschte erreicht, wird sie, im Prozess, regelmäßigen reviews unterzogen: Der Entwicklungsstand wird überprüft und bei Bedarf angepasst. Dies folgt auch einer der Basisannahmen des agilen Coachings: dass nämlich gerade komplexe Probleme in dynamischen Umfeldern selten von A bis Z plan- und vorhersehbar sind.

Agiles Coaching implementiert also, im Idealfall, eine neue Prozess- und Kommunikationskultur. Diese setzt stark auf die Selbstlernfähigkeit und auch Selbststeuerung der Entwicklungs-Teams in den Unternehmen, deren Innovations- und damit Wettbewerbs- bzw. Zukunftsfähigkeit auf diese Weise gestärkt werden soll. Wer seine Prozesse immer wieder revidiert, kann seine Aktionen testen, aus ihnen „im Lauf“ lernen.

Behutsame Arbeit an Führungs- und Unternehmenskulturen

Es liegt nahe, dass dies Auswirkungen auf die jeweilige Führungskultur hat. Um bei den eingangs genannten Beispielen meiner Bekannten zu bleiben: Die autoritär-hierarchische Organisation würde dem Team vorgeben, dass der Transport von A nach B in der Art und Weise C zu erfolgen habe und das Team dies nun umsetzen solle. Die innovativ-agile Organisation würde ihren hausinternen Projekt-Entwicklern vorgeben, dass eine Lösung für das Problem des Transports von A nach B gefunden werden müsse – und sie ermuntern, eine solche zu entwickeln.

Teil eines Auftrags kann somit auch sein, ein Auftraggeber-Team bei der Ausbildung einer offenen, transparenten Kommunikation zu helfen, etwa, indem der agile Coach Techniken und Methoden des Fragen-Stellens oder des Zuhörens vermittelt. Oder Kreativitätstechniken zu vermitteln, um Produkte innovativer zu gestalten. Es liegt nahe, dass die methodischen Schwerpunkte des agilen Coachings vom jeweiligen Auftrag abhängen und dass die Coaches Einfühlungsvermögen mitbringen müssen. Sie operieren schließlich am offenen Herzen überkommener, vielfach lieb gewonnener Strukturen, Arbeitsprinzipien und Werte – eben: von Unternehmens- und Führungskultur.

Dass das Spaß machen kann und Motivation bzw. Kreativität wecken kann, zeigt ein typisches agiles Projekt: Im Rahmen von „Innovationstagen“ arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, moderiert vom agilen Coach, über einen bestimmten Zeitraum an Lösungen für aktuelle Herausforderungen, die mit dem Betrieb zu tun haben. Die Mitarbeiter entwickeln in Ruhe ihre Ideen und stellen sie am Ende in der Gruppe vor.