Wie Geisteswissenschafter in der Wirtschaft durchstarten – Teil 2: Fundraising

Die seit Jahren anhaltende Niedrigzinsphase, jedem privaten Anleger schmerzlich bekannt, geht auch an Stiftungen nicht spurlos vorbei: Mehr als 20.000 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts gibt es in Deutschland. Diese sind zunehmend auf Fundraising angewiesen – also darauf, Beziehungen aufzubauen, über die sich Geld- oder Sachspenden einwerben lassen.

Chance für Geisteswissenschaftler mit Netzwerker-Ader: Fundraising

Fundraiser sind folglich eine zunehmend gefragte Spezies von Fachkräften in gemeinnützigen Organisationen. Da Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeit und Einfühlungsvermögen zentral für den beruflichen Erfolg im Fundraising sind, hat sich der Beruf zu einer interessanten Option auch für Geistes- und Sozialwissenschaftler entwickelt, die eine vertriebliche Ader besitzen.

Das Aufgabenspektrum von Fundraisern ist vielseitig: Es reicht von der Durchführung von Direkt-Mailings und Online-Spenden-Aktionen bis zum Organisieren von Spendengalas. Und ganz wichtig ist, wie bei allen Netzwerkern, der Aufbau und die Pflege von Kontakten.

Fundraising: Ausbildungen finden

Eine Vielzahl von Zertifikats-Ausbildungen führt in den Beruf – von Basis-Fortbildungen, die Grundkenntnisse in der Umsetzung und Konzeption von Fundraising-Aktionen vermitteln, bis hin zu vertiefenden, spezialisierten Fortbildungen für Menschen mit Vorerfahrungen, etwa zu Themen wie „Stiftungsrecht“ oder „Großspenden-Akquise“. An der „Fundraising Akademie“ in Frankfurt am Main kann man auch einen zweijährigen berufsbegleitenden Studiengang zum/zur „Fundraising-Manager/in“ absolvieren. Ein Einstieg in die Recherche ist über Fortbildungsdatenbaken wie die Datenbank KURSNET der Bundesagentur für Arbeit möglich – am besten unter beiden Suchbegriffen, „Fundraising“ und „Fundraiser“.

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Wie der Jobstart als Quereinsteiger gelingt

Architekten, die Mathematik oder Anlagentechnik an Berufsschulen unterrichten, oder Geisteswissenschaftler, die mit Magisterabschluss ins Grundschullehramt wechseln: Beispiele von Quereinsteigern ins Lehramt unterschiedlicher Schultypen finden oft ihren Weg in die Medien. Dabei ist das Phänomen längst branchenübergreifend geworden, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels: Allein in meinem Bekanntenkreis sind in den vergangenen Jahren mehrere Personen mit abgeschlossener kaufmännischer Büroausbildung in die Verwaltung des Öffentlichen Dienstes gewechselt.

Bruch im Lebenslauf – bitte mit Begründung

Doch für die Augen des Personalverantwortlichen, der den Lebenslauf liest, will der Bruch im Lebenslauf begründet sein – denn auch hier gilt: Zentral ist es, eine überzeugende Antwort darauf zu finden, warum man genau der oder die Richtige für eine ausgeschriebene Stelle ist. Dies gilt umso mehr bei Bewerbern, die ihren ursprünglichen Arbeitsbereich bzw. ihre ursprüngliche Branche verlassen.

Eine Reihe von Fragen sollten sich Kandidaten, die sich im Quereinstieg bewerben, bereits vor dem Abfassen ihrer Bewerbungsunterlagen und sowieso vor einem evtl. Vorstellungsgespräch konkret und überzeugend beantworten. Diese Fragen zählen im Übrigen auch für „reguläre“ Bewerbungen – bei Quereinsteigern jedoch wird ganz besonders auf die entsprechenden Antworten geachtet:

  • Warum sind genau Sie (Ergänzung in Gedanken: als Quereinsteiger) der/die Richtige für den Job bzw. unser Unternehmen?
  • Motivation: Warum bewerben Sie sich bei uns?
  • Welche Praxiserfahrungen bringen Sie mit, die zur neuen Stelle passen? … die ein Gewinn für uns sind?
  • Welche fachlichen Fähigkeiten aus dem alten Job passen gut zum neuen Job?

Persönliche Lernfähigkeit betonen

Ähnlich wichtig wie im Vorfeld reflektierte Antworten auf diese Fragen ist es, in der eigenen Berufsbiografie Stationen zu identifizieren, in denen man Neues lernen musste, um seine Aufgaben zu bewältigen. Diese sollte man dann konkret (statt abstrakt) und durchaus auch ungefragt (!) in einem Vorstellungsgespräch einbringen. Das belegt die persönliche Lernbereitschaft und -fähigkeit glaubhaft – eine Fähigkeit, die absehbar auch in einer per Quereinstieg erreichten Position wichtig wird.

Quereinstieg aus der Selbstständigkeit oder privater Leidenschaft heraus: Erfahrungen übertragen

Wer den Wechsel aus der Selbstständigkeit in die Angestellten-Welt plant, sollte sich ebenfalls Gedanken dazu machen, welche seiner Skills aus dem „alten Leben“ zum neuen passen. In meiner Berufsberatung in Berlin unterstütze ich Beratungskunden u. a. dabei.

Beispiel 1:

Wer langjährig als Honorar-Coach in Bereichen wie Berufsorientierung, Bewerbungs- oder Soft Skill-Training tätig war, kann sich mit guter Erfolgsaussicht und aktualisierter Bewerbungsstrategie (sowie ebensolchen Unterlagen) auf feste Stellen etwa im Jobcoaching, in der Personalvermittlung oder -entwicklung bewerben – und dies auch ohne zusätzliche Fortbildung im Vorfeld, sofern die besagten beruflichen Erfahrungen aktuell und über Referenzen (Tätigkeitsnachweise) von Auftraggebern belegbar sind.

Beispiel 2: Wer langjährig leidenschaftlich und professionell wandert, vielleicht auch in einem entsprechenden verein Mitglied ist und über einschlägige Produktkenntnisse von Blasen-Salben bis Wander-Socken verfügt, der kann sich für die Verkaufsberatung in Fachgeschäfte für Outdoor– bzw. Trekking-Bedarf ins (Vorstellungs-)gespräch bringen.

„Die Haltung zählt“: Wie der Arbeitstag einer Krankenschwester aussieht (Erfahrungsbericht)

Jana ist Krankenschwester in einer deutschen Stadt – hier berichtet sie von ihrem Alltag, um interessierten Berufseinsteigern (m/w) einen Eindruck vom Beruf und seinen typischen Aufgaben zu geben.

„Um 6:30 Uhr komme ich im Umkleideraum an, 6:35 Uhr beginnt der Dienst – entweder habe ich Leitungsdienst, betreue eine Patienten-Gruppe oder gebe Praxisunterricht auf der Station. Der Dienst geht bis 15 Uhr. Auf die einzelnen genannten Schwerpunkte gehe ich im weiteren Verlauf ein.

Leitungsdienst

Einer meiner Schwerpunkte ist, wie gesagt, der Leitungsdienst: Morgens verschaffe ich mir als erstes einen Überblick, was in den letzten Stunden passiert ist. Wie viele Patienten sind auf der Station? Ich teile Schüler und Praktikanten den Fachkräften zu. Dann prüfe ich die aktuellen Krankmeldungen der Mitarbeiter. Ich plane die Bettenbelegung für den Bettenmanager – da geht es bspw. darum, wer entlassen oder von einer anderen Station übernommen wird.

Ich erkundige mich, ob die Küche den Küchenzettel bekommen hat. Dort steht u. a., wer behandlungsbedingt nüchtern bleiben muss, also gerade nichts essen soll. Bis die Sekretärinnen kommen, mache ich auch Sekretariatsdienst. Ich instruiere die Aufnahme-Schwester für den Tag.

Gegen 8 Uhr gehe ich mit dem Betäubungsmittelbuch in die Frühbesprechung mit den Ärzten. Dort geht es um die Bettenplanung, um Aktuelles aus der Pandemie, und ich benenne Personal, das ich brauche, bspw. von Leihfirmen. In dieser Besprechung sitzen auch die Berechtigten, die Rezepte unterschreiben dürfen. Die brauche ich, um neue Medikamente zu bekommen.

Patientenbetreuung

Manchmal habe ich auch Leitungsdienst und Pflege parallel, also auch eine Patientengruppe. Eine Fachkraft betreut 10 Patienten, was ein guter Personalschlüssel ist, bei uns. Typische Aufgaben, die in der Pflegepraxis anstehen, sind unter anderem:

  • Vitalzeichen kontrollieren,
  • Tabletten/Medikamente austeilen,
  • Grundkörperpflege (waschen der Patienten),
  • Diagnostik.

Natürlich klingeln auch immer wieder Patienten mit individuellen Anliegen.

Praxisanleitung und Pflege-Unterricht

Ein dritter Schwerpunkt von mir ist es, Schüler auf ihre Einsätze vorzubereiten, Lernaufgaben zu betreuen, mit ihnen zu arbeiten, ihnen Aufgaben praktisch zu zeigen, also Pflege-Praxisanleitung.

Ich arbeite auch als Dozentin für angehende Fachkräfte der Kranken- und Altenpflege. 2020 sind die drei alten Berufe Altenpfleger (m/w), Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger (m/w) und Gesundheits- und Krankenpfleger (m/w) zu einem neuen Berufsbild zusammengefasst worden. Die neue Berufsausbildung führt zum Abschluss „Pflegefachfrau“ bzw. „Pflegefachmann“. Mit anderen Worten: Die neue, generalistische Ausbildung umfasst fachliche Aufgaben aus allen drei bisherigen Bereichen der Pflege. Als Dozentin bekomme ich Aufgaben von der Pflegeschule, schreibe Unterrichtskonzepte und unterrichte Gruppe mit zwischen 5 und 20 Teilnehmern.

Wege in die Krankenpflege: Ausbildungen

Die Ausbildungswege in der Pflege sind aktuell:

  • dreijährige generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann,
  • einjährige Ausbildung zum Pflegehelfer (ab Herbst 2022 auch generalistisch und dann eineinhalb Jahre, man arbeitet dann als „Assistenz der Pflege“),
  • Studiengang Pflege an einer Fachhochschule (Dauer hängt vom Abschluss ab),
  • Alltagsbegleiter oder Betreuungsassistenten (Dauer variiert je nach Anbieter),
  • Basiskurs Pflege (bspw. 200 h-Basisqualifikation)

Warum die Haltung zählt

Das Entscheidende, auch um bspw. mit Schichtdiensten klar zu kommen, denn die gehören bei uns dazu, ist die Haltung – die vier „Ms“: Man muss Menschen mögen. Trost und Empathie sind mindestens ebenso wichtig wie Tabletten und Medizintechnik.“

Wie Geisteswissenschaftler in der Wirtschaft durchstarten – Teil 1: Projektmanagement

Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt für Geisteswissenschaftler speziell – wie ich auch in meiner Berufsberatung in Berlin immer wieder höre: Selten richten sich Stellenangebote direkt an Byzantinisten, Ethnologen und Film- oder Theaterwissenschaftler. Schon immer waren Absolventen geisteswissenschaftlicher Fächer daher studienbegleitend mit der alten Regel gut beraten: Berufspraxis, Berufspraxis, Berufspraxis! Ob nun in Form von Praktika, freier Mitarbeit oder Studentenjobs.

Daneben gibt es jedoch eine Reihe wirtschaftsnaher Fortbildungen, die sich ebf. – Neigung und Eignung vorausgesetzt – als Brücke in die Wirtschaft anbieten. Eine davon ist die Qualifizierung „Projektmanagement“. Sie liefert Kompetenzen, die Geisteswissenschaftler, zusammen mit ihren im Studium erworbenen methodischen und sozialen Kompetenzen, zu interessanten Kandidaten für Unternehmens-Recruiter machen.

Projektmanagement: Welche Skills werden vermittelt?

Betriebswirtschaft und Marketing, das IT-Tool MS Projects, Erstellen von Business-Plänen und Marktanalysen, Soft Skills wie Teamwork: All dies sind typische Inhalte von Projektmanagement-Fortbildungen. Alles in allem also ein „Crashkurs Wirtschaft“. So wird man auf häufige Aufgaben im Projektmanagement vorbereitet: etwa die Kommunikation und Zusammenarbeit mit internationalen Projektpartnern, die administrative Betreuung von Projekten inkl. Finanzmanagement und Berichtswesen, die Planung und Umsetzung von Projektmaßnahmen (bspw. Arbeitstreffen, workshops) und die Qualitätssicherung einzelner Projektmaßnahmen. Die Mitarbeiter eines Projekts definieren Projektziele, bei deren Umsetzung sie Termin-, Sach- und Kostenvorgaben berücksichtigen.

Moderne Arbeitswelt: Warum Projektmanager (m/w) gefragt sind

Die Nachfrage nach frisch gebackenen Projektmanagern (m/w) ist stabil. Das liegt auch an der modernen Arbeitswelt: Es gibt tendenziell mehr selbst gesteuerte Arbeiten in Projektteams, dafür weniger auf regelmäßige, direkte Anweisung hin. Die viel zitierten flachen Hierarchien umschreiben dies. Projekte ersetzen oft zudem regelmäßig wiederkehrende Arbeitsabläufe.

Agil”? Nicht immer, aber immer öfter …

“Agiles Projektmanagement” wird – zum Glück – vom Schlagwort mehr und mehr zur Methoden-Realität in Unternehmen und Organisationen. Agiles Coaches moderieren die Transformation hin zu einem “agilen mindset”, also dem “leben” von agilen Prinzipien und Haltungen in Organisationen. Wichtige Methoden für dieses mindset sind Scrum, Kanban, Design Thinking oder auch OKR.

Dabei gilt jedoch im biblischen Sinne: “Alles hat seine Zeit”. Es gibt Projekte, die – auch weiterhin – besser für das klassisches Projektmanagement und seine Wasserfall-Methodik geeignet sind – vor allem solche, deren Ziel klar definiert ist, bei denen also der Auftraggeber oder Nutzer klar weiß, wohin die Reise gehen soll, bei der Projekt-Umsetzung.

Ist ein produkt- oder dienstleistungsbezogenes Marktumfeld dagegen komplex und sind Nutzer-Bedürfnisse weniger klar, sind agile Methoden wie die o. g. die bessere Wahl fürs Projektmanagement!

Projektmanagement: Fortbildungen finden

Fortbildungen für das Projektmanagement lassen sich bspw. über das Aus- und Weiterbildungsportal KURSNET der Bundesagentur für Arbeit recherchieren.

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So gelingt der Aufstieg auch ohne Studium – Karriere mit Lehre

Wer Karriere machen oder mehr Geld verdienen möchte, braucht kein Studium: Aufstiegsfortbildungen der Kammern ermöglichen es ausgebildeten Fachkräften, mit Akademikern gleichzuziehen.

Die Kombination von Ausbildung mit Fortbildung führt, in einer großen Zahl von Berufen, nach wenigen Jahren zu einem vergleichbaren Gehalt wie in akademischen Berufen. Die These, dass nur ein Studium zu Karriere und „gutem Geld“ führt, ist also ein Märchen.

Voraussetzung ist, neben einer abgeschlossenen Berufsausbildung und einigen Jahren Berufspraxis, beispielsweise eine der zahlreichen Aufstiegsfortbildungen, die die Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern zwischen Flensburg und München bieten.

Die richtige Wahl für Praktiker: Aufstiegsfortbildungen der Kammern

Die „Karriere mit Lehre“ empfiehlt sich aber auch aus anderem Grund: Wer die Theorie der Hörsäle und Hochschule meiden und lieber praktisch lernen und (früher!) praktisch arbeiten will, ist mit diesem Karriereweg ebenfalls besser beraten. Und weil Kandidaten, die diesen Weg gehen, schneller als ihre studierenden Altersgenossen Werkstätten, Büros oder Geschäfte von innen sehen, verdienen sie natürlich auch viel eher Geld.

Drei Stufen: Kammer-Aufstiegsfortbildungen

Neben dem Wunsch nach Karriere können auch veränderte berufliche Anforderungen den Ausschlag für das Erklimmen der Aufstiegsfortbildungs-Pyramide werden: Diese führt, nach einer ersten Berufsausbildung und mindestens sechsmonatiger Berufspraxis, zuerst zur Ebene der „Geprüften Fachberater“ (m/w), etwa in Tätigkeitsschwerpunkten wie „Bau- und Heimwerkermärkte“ oder „Finanzdienstleistung“.

Auch die zweite und dritte Stufe schließen mit einer öffentlich-rechtlichen Prüfung ab. Gemäß „Deutschem Qualifikationsrahmen“ entspricht die nun folgende zweite Stufe der Pyramide dem Niveau eines Bachelor-Abschlusses. Die Abschlüsse dieser Stufe heißen bspw. „Fachwirt“ (bspw. Bank- oder Handelsfachwirt), „Fachkauffrau“ (bspw. Fachkauffrau für Logistiksysteme), „Industriemeister“, „Geprüfte Aus- und Weiterbildungspädagogin“ sowie „Operative Professional“ (bspw. „Geprüfte IT-Entwicklerin“).

Die dritte Stufe der Aufstiegsfortbildungen entspricht, gemäß „Deutschem Qualifikationsrahmen“, dem Niveau eines Master-Abschlusses. Voraussetzung für die Anmeldung zur Prüfung ist, neben dem Abschluss der zweiten Stufe, wiederum weitere Berufspraxis.

Abschlüsse dieser höchsten Stufe der Kammer-Aufstiegsfortbildungen sind Geprüfte Betriebswirte, Geprüfte Berufspädagogen, Geprüfte Technische Betriebswirte und Strategische Professionals.

Einen Überblick über die diversen IHK-Aufstiegsfortbildungen liefert die Webseite WIS – Das Weiterbildungs-Informations-System. Klickt man dort auf die einzelnen Ergebnisse, wird man zu weiteren Detail-Infos geführt, etwa den formalen Voraussetzungen der einzelnen Weiterbildungen.

IT-Einkäufer mit Verständnis für Geschäftsprozesse: Kaufleute für Digitalisierungsmanagement

Kaufmann/-frau für Digitalisierungsmanagement ist der Nachfolgeberuf des Informatikkaufmanns: Diese Spezialisten durchleuchten u. a. Geschäftsprozesse, um herauszufinden, welche Hard- und Software ihr Unternehmen braucht, holen Angebote dafür ein und begleiten die Einrichtung.

Warenwirtschaftssysteme sind Softwareprogramme, die den Warenfluss innerhalb eines Unternehmens abbilden: Kommt eine Lieferung an, werden diese Produkte in ihnen erfasst. Wird ein Produkt verkauft, wird dies ebenfalls in der „Warenwirtschaft“ eingebucht.

Nun gilt bekanntlich im Leben wie auch in Unternehmen: Alles ist im Fluss. Vielleicht entscheidet sich unser Unternehmen eines Tages, seine Kundenpflege zu professionalisieren, weil Kontakte zu einzelnen Kunden oder Partnern bislang von den Mitarbeitern (m/w) händisch in einer Excel-Liste eingetragen wurden. Oder es möchte zusätzliche Absatzkanäle erschließen und dafür einen Online-Shop einrichten.

Seit August 2020: Kaufleute für Digitalisierungsmanagement statt Informatikkaufleute

Hier kommen Kaufleute für Digitalisierungsmanagement zum Einsatz: Diese Kaufleute hießen früher „Informatikkaufmann“ bzw. „-frau“. Seit dem 1. August 2020 ist dieser Ausbildungsberuf neu geordnet. Kaufleute für Digitalisierungsmanagement prüfen bspw., ob sich unser Beispiel-Warenwirtschaftssystem über Schnittstellen mit einem Customer-Relationship-Management-Programm oder einem Online-Shop verbinden lässt. Oder ob überhaupt ein Warenwirtschaftssystem eingeführt werden sollte, wenn noch keines existiert – und vor allem: welche genauen Funktionen dieses dann erfüllen sollte.

Analyse interner IT-Bedarfe und profunde Marktkenntnis

Dafür müssen sie zunächst einmal den internen Bedarf erheben, also die geschäftlichen Prozesse innerhalb „ihres“ Unternehmens erheben: „Welche Anforderungen muss unsere Software X (bspw. eben die Warenwirtschaft, eine CRM-Software, ein Content-Management-System oder auch ein Lernmanagement-System etc.) erfüllen, damit wir als wirtschaftlicher Akteur weiterhin erfolgreich auf unseren Märkten und für unsere Zielgruppen präsent zu sein?“

Neben der Analyse der Geschäftsprozesse setzt dies naturgemäß eine regelmäßig aufgefrischte Kenntnis des Markts voraus: „Welche Software und welche Hardware ist am Markt verfügbar, die uns hilft, unsere analysierten Bedarfe bzw. Herausforderungen zu lösen?“ Ihre diesbezügliche Marktkenntnis erlaubt es Kaufleuten für Digitalisierungsmanagement, die angebotene Soft- und Hardware im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit zu vergleichen, um das optimale Tool zu empfehlen.

Sind ihre Empfehlungen abgesegnet, holen sie entsprechende Angebote ein und bereiten Nutzungsverträge vor. Dann kaufen sie die benötigte Hard- oder Software, überwachen die Ausführung und beraten die Mitarbeiter (m/w) der Firma bei der Nutzung bspw. der neuen Software. Somit ist auch interner Support ein wichtiger Aufgabenschwerpunkt dieser Spezialisten – neben Controlling, IT-Sicherheit und Datenschutz. Auch dafür, dass die Cookies der Unternehmens-Homepage niemandem allzu sehr auf den Keks gehen, sind diese Kaufleute folglich zuständig.

Was macht ein Biophysiker?

Das Interdisziplinäre dieser Wissenschaft erschließt sich rasch aus ihrer Bezeichnung: „Biophysik“ hat, neben anderen Disziplinen wie der Mathematik, vor allem mit Biologie und Physik zu tun, setzt also ein Verständnis und Faible für Naturwissenschaften voraus. Kurz gesagt ist die Biophysik die Lehre, die sich mit der Anwendung von Gesetzen der Physik auf die Biologie befasst – und umgekehrt.

Biophysiker untersuchen bspw. die Prozesse innerhalb biologischer Systeme wie Zellen oder Organen mit Hilfe physikalischer Gesetzmäßigkeiten. Sie forschen auch an der Entwicklung medizintechnischer Geräte wie Mikroskopen – mit dem Ziel, diese so zu gestalten, dass sie für das Bearbeiten biologischer Forschungsfragen genutzt werden können. Somit arbeiten Biophysiker unter anderem auch in Firmen der Medizintechnik.

Biophysikalische Anwendungsbeispiele: EEG, EKG und MRT

EEG und EKG – zwei Stichworte aus dem Spektrum medizinischer Untersuchungsmethoden, die viele aufgrund eigener Arztbesuche kennen dürften, stehen beispielhaft für eines der Arbeitsgebiete von Biophysikerinnen und Biophysikern: die Elektrophysiologie. In diesem Bereich untersuchen die Spezialisten, wie Muskel- oder Nervenzellen durch Elektrizität erregt werden bzw. elektrische Impulse übertragen.

In der Strahlenphysik, einem weiteren beispielhaften Arbeitsschwerpunkt, befassen sich Biophysiker mit der Wirkung elektromagnetischer oder radioaktiver Strahlung auf Zellen oder Gewebe. Außerdem forschen sie dazu, wie sich solche Strahlung für die medizinische Behandlung nutzen lässt.

Magnetresonanztomographie – dieses Wortungetüm, das für ein bildgebendes Verfahren steht, kennen viele aus persönlicher Krankengeschichte: In der MRT-„Röhre“ werden beispielsweise Bandscheibenvorfälle sichtbar. Zugleich ist die Spektroskopie, die sich mit Methoden wie eben MRT und der zugehörigen Medizintechnik befasst, eine weitere Teildisziplin der Biophysik – die ein weiteres Mal die beiden Schwerpunkt-Wissenschaften der Biophysik illustriert: „Magnetismus“ bzw. das im MRT erzeugte Magnetfeld (als Gesetzmäßigkeit der Physik) wird genutzt, um „Biologie“ (bspw. Zustände des Bewegungsapparats des Menschen) bildlich sichtbar zu machen.

Was macht ein Bioniker?

Wären Schwimmflossen nicht schon erfunden, würde sie vielleicht ein Bioniker (m/w) im Labor ersinnen: Bionikerinnen und Bioniker entwickeln technische Lösungen auf Grundlage von Erscheinungen bzw. Analysen der Tier- und Pflanzenwelt. Ein klassisches Beispiel ist der Lotuseffekt: Die Blätter der Lotuspflanze weisen bekanntlich Wasser ab. Bioniker entwickeln Beschichtungen etwa für Schiffe, die die gleiche Eigenschaft besitzen.

Ein weiteres bionisches Anwendungsbeispiel: Haifische bewegen sich durch die widerstandsarme Struktur ihrer Haut-Oberfläche und ihre Stromlinienform besonders effizient durch Wasser. Die Luftfahrt macht sich diese „biologische Problemlösung“ zunutze, indem sie die Oberfläche von Flugzeugen mit wirkungsgleichen Eigenschaften versieht.

Lösungen aus der Natur für technische Herausforderungen

Ob besonders belastbare Spinnenseide oder eben Fischhaut: Bionikerinnen und Bioniker suchen gezielt nach biologischen Vorbildern, die als Lösungen für technische Herausforderungen taugen.

Verständnis für Naturwissenschaften, Mathematik, Informatik und Technik sind die besten Voraussetzungen, um ein Bionik-Studium erfolgreich zu durchlaufen.

Was macht ein Technischer Kybernetiker?

Im Fokus: Regelung und Steuerung technischer Systeme

Regelung und Steuerung komplexer technischer Systeme – dies ist, kurz formuliert, das Anliegen bzw. Ziel der Technischen Kybernetik. Sie ist eine interdisziplinäre Ingenieurswissenschaft, die sich an der Schnittstelle von Mathematik, Ingenieurwissenschaft, Systemwissenschaft und Naturwissenschaft bewegt. Dabei simulieren Technische Kybernetikerinnen und Kybernetiker bspw. technische Vorgänge bzw. Prozesse, um deren steuernden Ablauf zu gestalten oder zu optimieren.

Typische Anwendungsgebiete sind etwa Systeme, die autonome oder teilautonome Fortbewegung erlauben. Dazu zählen unter anderem Autopiloten oder Fahrassistenzsysteme, die selbstständig bremsen können.

Alltagsbeispiel: Heizkörperthermostat

Ein Beispiel für ein solches technisch-kybernetisches System kennen wir alle aus unserem Alltag: Heizkörperthermostate. Wer den drehbaren „Regler“, also den Thermostatkopf, bspw. von „0“ auf Stufe „3“ von 5 stellt, wird bemerkt haben, dass die Heizung dennoch nicht immer im gleichen Maße heiß wird. Das liegt eben daran, dass Heizkörperthermostate systemisch – kybernetisch – funktionieren: Sie besitzen einen Fühler, der die gewünschte Temperatur (Soll-Wert) mit der momentanen Raumtemperatur (Ist-Wert) vergleicht. Je nachdem, ob es im Raum kälter oder wärmer als die gewünschte Soll-Temperatur ist, schließt oder öffnet sich ein Ventil. Dadurch wiederum strömt entweder mehr Heizwasser durch den Heizkörper (= Heizung wird wärmer = Raum heizt auf) oder weniger.

Studium „Technische Kybernetik“

Technische Kybernetik kann man bspw. an der Universität Stuttgart und an der Technischen Universität Ilmenau studieren.

Wie Sie die Frage nach Ihren Schwächen im Vorstellungsgespräch beantworten

Die Frage nach den persönlichen Schwächen bringt viele Bewerber*innen im Vorstellungsgespräch oder Assessment Center ins Schlingern. Diese zwei Strategien helfen, sie gekonnt zu parieren.

Viele Bewerber*innen werden bei der Frage nach ihren Stärken und Schwächen nervös, wie ich bei meiner Berufsberatung in Berlin immer wieder erfahre: Sie sorgen sich, bei allzu überzeugender Darstellung ihrer Schwächen letztlich gegen sich selbst zu argumentieren. Gelegentlich kommt diese Frage übrigens auch in Form einer so genannten zirkulären Frage, die Dritte einbezieht – etwa: „Was würde Ihr bester Freund/Ihre beste Freundin sagen, wenn ich sie frage, was Ihre Schwächen sind?“ So oder so: Was tun, wenn man antworten muss, aber im Rennen um eine Stelle bleiben will?

Vorsicht mit Humor im Vorstellungsgespräch

Eine Zeit lang kursierte der Tipp, die Frage humoristisch zu parieren: „Meine Schwächen? Bei Schokolade werde ich schwach.“ Oder: „Mittags bekomme ich Hunger.“ Davon halte ich persönlich wenig. Denn solche Antworten können meines Erachtens den Eindruck erwecken, man nehme das Vorstellungsgespräch oder das Assessment Center-Interview nicht ernst.

Erste Strategie: Schwächen angeben, die Stärken sind!

Ich rate hier, vermeintliche „Schwächen“ anzugeben, die in Wahrheit Stärken sind, bezogen auf den jeweiligen Beruf bzw. das ausgeschriebene Aufgabenprofil. Wer in seinem Beruf beispielsweise viel im Freien arbeitet, etwa als Dachdecker oder Gärtner der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau, der kann sagen: „Ich möchte mich körperlich betätigen und am Ende des Tages ein anfassbares Produkt als Ergebnis meiner Arbeit sehen. Den ganzen Tag in einem Büro hinter einem PC sitzen, das könnte ich nicht. Das ist eine Schwäche von mir.“

Oder: Wer eine Stelle mit viel Kommunikation bzw. Kundenkontakt anstrebt und sich zu seinen Schwächen äußern soll, der kann sagen: „Wie Sie an meinen Lebenslauf-Stationen xyz sehen, bin ich viel Kundenkontakt gewöhnt und mir macht das auch Spaß. Dagegen wäre ich auf einer Stelle, in der ich vor allem Informationen (… Texte, … Zahlen) verarbeite, etwa den ganzen Tag lang in Archiven recherchieren, fehlplatziert.“

Zweite Strategie: Umgang mit Schwächen sichtbar machen

Bei der Frage nach Ihren Schwächen interessiert Personaler*innen auch, wie Sie mit Ihren Schwächen umgehen und dass Sie sie erkennen (= Fähigkeit zur Selbstreflexion!). Eine weitere gute Strategie zur Beantwortung dieser Frage ist es daher, wenn Sie eine beruflich relevante Schwäche nennen und gleich hinzufügen, welche Strategie des Umgangs mit bzw. der Bewältigung dieser Schwäche Sie sich im Laufe Ihrer Berufspraxis zugelegt haben. Beispiel: Vielleicht gibt es bestimmte Situationen im Berufsleben, die Sie zuverlässig und wiederkehrend demotivieren. Dann beschreiben Sie diese Situation – sagen aber gleich dazu, was Sie dann konkret machen, um sich am eigenen Schopf aus dem Motivationstief zu ziehen.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Stärken-Schwächen-Fragen in Vorstellungsgesprächen? Ich freue mich über Ihren Kommentar!